Restaurierung Doppelraab

Doppelraab V, Werk Nr. 513, „Graf Zeppelin“

Ein Historisches Flugzeug soll wieder fliegen!

Das erste Flugzeug des LSC und das erste zivile Flugzeug am Flugplatz Friedrichshafen, der Doppelraab D – 9015, wurde noch von Dr. Hugo Eckener auf den Namen „Graf Zeppelin“ getauft. Es machte am 15.3.1953 seinen Erstflug, und  war 24 Jahre lang, von 1953 bis 1977 als Schul- und Übungs-flugzeug im Einsatz. Hierbei absolvierte es ohne Flugunfall rund
15000 Starts und Landungen.

Nach seinem vorläufig letzten Flug vom 26.3.1977,  mit dem Gründungsmitglied und langjährigem Fluglehrer Rudi Flintrop am Steuer, musste es einer moderneren Generation von Segelflugzeugen weichen.

Was fängt man an mit einem Flugzeug, das 37 Jahre an der Decke der Flugzeughalle hängt? – Hängen lassen?, äußerlich aufbessern und an ein örtliches Museum geben oder abwracken?

Die zündende Idee brachten Manfred Herold und Andreas Zehle vom Treffen des „Vintage Glider Club“ 2004 in Jelenia Gora, früher Hirschberg, nahe dem ehem. Grunau, mit: restaurieren und wieder fliegen!

Die Segelfliegerversammlung stimmte am 17.9.2004 zu, 20 Mitglieder wollten aktiv mitarbeiten an diesem Projekt von Jung und Alt. Unsere Jugendlichen sollten die Bauweise eines früheren Holzflugzeuges kennenlernen und Reparaturarbeiten unter Anleitung selbst ausführen.

Unter der technischen Leitung von Manfred Herold begannen die Arbeiten im Oktober 2004 vorwiegend in Flugbetriebs- und Wartungspausen. Relativ schnell waren Lack und Bespannung an Rumpf, Flächen und Rudern entfernt.
Dann zeigte sich die Fülle erforderlicher Holzarbeiten. Neunzig Prozent der Fähnchen zur Befestigung der Rippenstege waren lose und mussten erneuert werden. Auch die Endleiste eines Querruders und Teile der Randbögen wurden eingeschäftet. Glücklicherweise waren wenigstens Holme und Flügelnasen in Ordnung. Neben weiteren Holzarbeiten wurden Flügelnase und Klappenkästen mit einer GfK – Auflage versehen.

Der vordere Stahlrohrteil des Rumpfes wurde  auf Korrosion geprüft, eine  Flugzeugschleppkupplung eingeschweißt (Fa. Götz, Bodman), glasgestrahlt und lackiert. Sämtliche Steuerseile Umlenkrollen und Lager wurden erneuert,  neue Radlager angefertigt und auf die Kufe eine Auflage aus Esche auflaminiert.

Die Arbeiten hatten sich inzwischen weitgehend auf eine kleine Gruppe von Unentwegten mit einem Durchschnittsalter von um die 70 Jahre verlagert.

Bei ständiger Begleitung durch den Bauprüfer Bertram Schmid aus Wangen
wurden im Dezember 2007 die bereits bespannten Ruder montiert, die Steuerseile eingezogen und die Rohbauabnahme vorgenommen.

Parallel zum Bespannen von Flächen, Rumpf, dem „Innenausbau“ und dem „Verglasen“ der Haube wurde nun auch mit dem Bau eines stabilen bremsbaren Hängers mit Aluminiumverkleidung begonnen.

Im Mai 2008 fand in Friedrichshafen die Messe „Klassikwelt Bodensee“ statt, wo der Doppelraab noch unlackiert auf dem Stand des BWLV gemeinsam mit  der Minimoa von Sieger Maier und Tilo Hollighaus zu sehen war.

Hartmut Sammet, der uns mit vielen Ratschlägen zu Seite stand, gestattete uns, in Heubach die Vorarbeiten zu leisten und lackierte dann das Flugzeug professionell.

Für die Restaurierung des Doppelraab wurden insgesamt 2576 Arbeitsstunden geleistet. Sie erforderte einschließlich der heute erforderlichen Ausstattung und dem Bau des Transportanhängers einen finanziellen Aufwand von rund 16.000 EUR. Dieser Betrag wurde zu einem Drittel aus Spenden von Vereinsmitgliedern und zu zwei Dritteln aus Zuwendungen aus Stiftungen und Spenden der Industrie aufgebracht.


Am 9.8. 2008 fanden die Endabnahme und die ersten Prüfflüge statt.
           
Nach erfolgreicher Wiederzulassung wurde am 26.9. der Doppelraab in einem „Festakt“ mit über 100 Teilnehmern eingeweiht. Hierbei wurden die Glückwünsche der Stadt Friedrichshafen und des Flughafens vom ehemaligen 1. Bürgermeister Dieter Hornung überbracht und der Vizepräsident des BWLV Hans-Joachim Proß überreichte Manfred Herold für seine Leistung bei dieser Restaurierung aber auch für seine jahrzehntelangen Verdienste um den Luftsport, auch als ehemaliger Vorsitzender der Segelfluggruppe des LSC, die goldene Ehrennadel des BWLV.

Am Folgetag wurde gemeinsam mit dem von den Kornwestheimersegelfliegern Jörg Elzenbeck und Otto Grau mitgebrachten Doppelraab, geschleppt von unserer C42, geflogen und der Doppelraab seiner neuen Bestimmung übergeben: interessierten Mitgliedern des LSC das Fliegen in einem Flugzeug der 50iger Jahre zu ermöglichen und den LSC – Friedrichshafen auf kommenden Treffen historischer Segelflugzeuge zu vertreten.

Andreas Zehle (Projektgruppe Doppelraab)