Warum und wie fliegt ein Flugzeug?
Naturwissenschaften hautnah und praktisch haben eine Schülerin und fünf Schüler des Karl-Maybach-Gymnasiums (KMG) an ihren Projekttagen beim Luftsportclub Friedrichshafen erlebt. Zum krönenden Abschluss des zweitägigen umfangreichen theoretischen Programms konnten alle selbst in einem Segelflugzeug abheben.
Wie komplex das Themengebiet der Fliegerei ist, erfuhren die Gymnasiasten an zwei Tagen, in denen die Referenten des LSC verschiedene Schwerpunkte zunächst theoretisch beleuchteten. Der Segelflug-Vorsitzende Kurt Mecking ließ es sich nicht nehmen, die Vortragsreihe selbst zu eröffnen. Er referierte über die Entwicklung von Segelflugzeugen von den frühen Anfängen bis zu heutigen Hochleistungs-Seglern. Eindrucksvoll wurde dargestellt, wie sich die Flugleistungen der stillen Gleiter entwickelt haben. Waren die Pioniere noch stolz auf wenige zurück gelegte Meter, sind heute Nonstop-Flüge von über 3000 Kilometern ganz ohne Motor möglich.
Aerodynamik ist das Fachgebiet, das solche Leistungen ermöglicht. Fluglehrer Thomas Stute erklärte in seinem Vortrag die Wirkung der Luftströmungen am Rumpf und an den Tragflächen. Die Wechselwirkung von Druck und Sog, die bei der Bewegung eines Flügelprofils durch die Luft entsteht, hält die Flugzeuge im Himmel, wenn der Pilot sein Handwerk versteht. Zum Abschluss des ersten Theorie-Tages stellte Carlo Lahme, selbst noch Flugschüler, die Segelflugzeuge des Luftsportclubs vor.
Den zweiten Tag eröffnete Hans-Peter Zimmermann aus der LSC-Abteilung Motorflug. Er stellte zunächst dar, wie ein Flugplatz mit seinen Anlagen und scheinbar geheimnisvollen Bezeichnungen aufgebaut ist. Danach erklärte er, wie die Ab- und Anflüge im Sicht- und Instrumentenflug verlaufen. Wie eine Platzrunde im Instrumentenflug geflogen wird zeigte er eindrucksvoll am Flugsimulator. Eine Einführung in die Flugmedizin, wie z.B. die Wirkung von Sauerstoffmangel in größeren Höhen, erläuterte anschaulich Prof. Dr. Andreas Zehle. Über Wetterkunde, ein alltägliches aber sehr komplexes Thema, referierte Manfred Herold. Im Vordergrund seines Vortrags stand die Information über das Entstehen von Thermik und anderen Aufwindarten.
Der Samstag war eigentlich ein schulfreier Tag. Die theoretischen Vorträge hatten bei den Schülern jedoch so viel Interesse geweckt, dass sie dennoch vollzählig wieder am Flughafen erschienen. Der erfahrene Tower-Lotse Willi Rieck bot eine Flughafenführung an und chauffierte die Flug-Aspiranten mit einem Vorfeld-Bus über die Startbahn. So war der Flughafen aus der Insider-Perspektive zu erleben.
Als besondere Attraktion und nicht zuletzt als krönende Belohnung für das aufmerksame Interesse an den Theorie-Tagen durfte jeder Schüler zum Abschluss mit dem Schul-Segelflugzeug ASK 21 selbst den Himmel erobern. Vor dem Start saßen die Schüler noch mit Spannung im Cockpit des Flugzeuges. Als die Seilwinde das Flugzeug dann atemberaubend steil und geräuschlos in den Himmel schießen ließ, floss Adrenalin in Strömen. Bei gutem Wind wurde eine beachtliche Höhe erreicht, die klare Sicht bot einen fantastischen Blick von den Alpen über den Bodensee mit Friedrichshafen bis in das Hinterland. Nach der Landung blickte Ausbildungsleiter Gerd Sporer, der die Schnupperflüge durchführte, in freudige und zufriedene Gesichter.
KMG-Schulleitung und LSC zogen eine durchweg positive Bilanz aus dem Projekt. LSC-Präsident Dr. Rudolf Stemmer räumt der Jugendförderung einen besonders hohen Stellenwert ein und hat dem KMG bereits angeboten, mit dem LSC im kommenden Jahr wieder zur Verfügung zu stehen.
Luftsportclub der Zeppelinstadt
Friedrichshafen e.V.
Peter Häusler
01.08.2009

Gespannte Erwartung vor dem ersten Flug im Segelflugzeug (links Ausbildungsleiter Gerd Sporer, rechts Kurt Mecking, Vorsitzender der Segelfluggruppe )

Fluglehrer Gerd Sporer erklärt Instrumente und Funktionsweise der Steuerorgane

Das Anlegen des Fallschirms vor dem Flug mit einer kurzen Einweisung - bei der Sicherheit gibt es keine Ausnahmen

letzte checks und dann kann das Windenseil eingeklinkt werden...

Haube zu, Einklinken des Seils und dann geht's los

Schöne Aussicht von der Winde in Richtung Startplatz

Manfred Herold von der Segelfluggruppe erläutert die Grundlagen der Meteorologie und warum man mit einem Segelflugzeug stundenlang ohne Motor fliegen kann.

Andreas Zehle, Prof. Dr. med im Ruhestand, vermittelt interessante Erkenntnisse über die Belastbarkeit des menschlichen Körpers, die "human factors", und warum beim Fliegen regelmäßige Tauglichkeitsuntersuchungen vorgeschrieben sind

Allein die Flugkarte ist schon ganz schön verwirrend. Hans Peter Zimmermann von der Motorfluggruppe erklärt, was alles hinter dem Fliegen steckt und was ein angehender Pilot lernen muß

Hans Peter Zimmermann beim praktischen Unterricht am Objekt in der Motorflughalle

Fluglehrer Thomas Stute erklärt die Basics von Aerodynamik und Flugsteuerung

Zwar gab es keinen Rundflug mit dem Motorflugzeug, aber Interessante Einblicke in das Innenleben der Maschinen

Fluglehrer Thomas Stute bei der "Einweisung" in das Instrumentarium einer 4-sitzigen Motormaschine

Fertig zum Rundgang durch die Anlagen des Flughafens, die Fluglotse Willi Rieck (rechts) bereitwillig erklärt